Geburtstagskuchen

Seine Mutter hatte Kuchen gebacken. Wie jedes Jahr. Bis zu seinem sechsten Geburtstag genügte ein Kuchen, um alle Gäste mit einem etwa gleichgroßen Stück zu versorgen. Als er eingeschult wurde, wurden die Stücke kleiner. Klar, dachte er, es ist immer noch nur ein Kuchen, aber es sind mehr Leute. An seinem 14. Geburtstag legte er seine kindliche Naivität ab. An diesem Tag gab es zum ersten Mal für einige der Gäste und für ihn selbst keinen Kuchen mehr, weil andere zwei Stücke aßen. Seit vier Jahren bringt ihm seine Mutter den Geburtstagskuchen ins Gefängnis. Er hat ihn jetzt ganz für sich allein.

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Vorbei

Er hatte es satt. Das ständige Auf und Ab seines Lebens, das trotz aller Schwankungen keine wirklichen Höhen und Tiefen kannte, machte ihn seit vielen Jahren nur noch müde. Die traumhaften Winter und die Jahrhundertsommer, von denen er immer wieder hörte, zogen quasi unbemerkt an ihm vorüber, derweil er die Welt von seinem Schreibtisch aus eroberte. Die Jahreszeiten störte das nicht. Und während er statt einem Pferd seinem Computer die Sporen gab, wurde die Gegenwart in rasantem Tempo zu einer Vergangenheit ohne Erinnerungen.

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Unsichtbar

Mit Türen ist das so eine Sache. Es gibt welche, die sich öffnen und welche, die sich schließen. Es gibt Türen, die verschlossen sind und bleiben und Türen, die immer einladend weit offenstehen. Es gibt durchsichtige und undurchsichtige und es gibt unsichtbare. Unsichtbare Türen sind immer geschlossen. Sonst würden sie ja keinen Sinn machen. Meist sind sie zusätzlich abgeschlossen, damit auch der unerwünschte Zufall bei einer zufälligen Entdeckung draußen bleiben muss. Was sich hinter unsichtbaren Türen befindet? Ja, das ist so eine Sache.

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